Über das Barometer
Über das Barometer
Hintergrund
Deutschland steht klimapolitisch an einem Scheideweg. Die ökologische Krise kostet bereits heute Lebensqualität, Wohlstand und sogar Menschenleben, und macht ambitionierte, tiefgreifende Veränderungen von Gesellschaft und Wirtschaft notwendig. Dieser Handlungsdruck trifft auf ein zunehmend verunsichertes gesellschaftliches Umfeld, in dem Bürgerinnen und Bürger immer weniger in die Kompetenz und die Problemlösungsfähigkeit der Politik vertrauen, anhaltende Krisen zu Veränderungsmüdigkeit und Abwehrreaktionen führen können und das „Debattenklima“ immer aufgeheizter zu werden scheint.
In unserer Demokratie kann ambitionierte Klimapolitik nur dann langfristig durchhaltbar und erfolgreich sein, wenn sie von der Bevölkerung mitgetragen wird. Daher ist es unverzichtbar, das gesellschaftliche Umfeld zu verstehen, in dem politische Maßnahmen für den nachhaltigen Wandel umgesetzt werden sollen. Das gilt umso mehr, da notwendige Veränderungen tief in den Alltag der Menschen eingreifen und dort auf jahrelange Gewohnheiten, etablierte Denkweisen und fundamentale Bedürfnisse treffen. Das Ringen um ambitionierte und mehrheitsfähige Lösungen auf dem Weg zur Klimaneutralität erfordert die Orientierung an den realen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, die Berücksichtigung vielfältiger Interessen und das Ausbalancieren von Zielkonflikten.
Das Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation setzt genau an diesem entscheidenden Punkt an. Es gibt einen detaillierten Einblick in die Sicht unserer Gesellschaft auf den nachhaltigen Wandel; auf die Einstellungen, Erwartungen und Sorgen der Bürger:innen in Deutschland. Es zeigt auf, inwieweit und unter welchen Bedingungen der Wandel als sozial nachhaltig wahrgenommen wird. Und nicht zuletzt stellt es dar, wie sich diese Bewertungen und Einstellungen im Zeitverlauf verändern. Für politische Entscheidungsträger:innen und die Öffentlichkeit liefert es damit wertvolle und wissenschaftlich zuverlässige Erkenntnisse über den gesellschaftlichen Kontext, in dem Transformationspolitik ausgehandelt, durchgesetzt und umgesetzt werden muss.
Das Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation ist ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung und des Forschungsinstituts für Nachhaltigkeit | am GFZ (RIFS). Im Rahmen einer bundesweit repräsentativen Panelbefragung werden in einjährigem Abstand die Einstellungen, Bewertungen und Erwartungen der deutschen Bevölkerung zum nachhaltigen Wandel umfangreich erhoben. Zentrale Themenfelder sind der Umbau unseres Energiesystems hin zu erneuerbaren Energien (Energiewende), der Umstieg auf umweltfreundliche Mobilität (Verkehrswende) und die energetische Sanierung und klimafreundliche Wärmeversorgung von Gebäuden (Wärmewende). Neben der generellen Unterstützung für grundlegende Ziele und Strategien wird auch spezifisch nach der politischen Ausgestaltung und Umsetzung, nach konkreten Maßnahmen und nach den Hintergründen für Zustimmung oder Ablehnung gefragt.
Die Befragung baut auf den Vorarbeiten des Sozialen Nachhaltigkeitsbarometers der Jahre 2017-2019 und 2021-2023 auf, sodass langfristige Trends und Veränderungen in transformationsrelevanten Einstellungen ergründet werden können. Gleichzeitig wird das Instrument stetig inhaltlich weiterentwickelt, um aktuelle politische und gesellschaftliche Debatten abzubilden.
Konzept
Konzept- und Methodenbericht
PDF DownloadMethodik
Dem Sozialen Nachhaltigkeitsbarometer liegt ein standardisierter Fragebogen mit einer durchschnittlichen Interviewdauer von ungefähr 30 Minuten zugrunde. Das Messinstrument umfasst einen Basisteil mit Grundfragen, die auch in den weiteren Erhebungswellen in gleicher Form wieder gestellt werden, sowie einen variablen Fragenteil, der sich von Welle zu Welle unterscheidet.
Insgesamt umfasst das Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation einschließlich der soziodemografischen und psychologischen Kontroll- und Verhaltensvariablen rund 100 Fragen. Aufgrund des Befragungsumfangs werden die Befragten seit der Welle im Jahre 2022 zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt. In der Welle 2026 wurden die spezifischen Fragen zu den Themenfeldern „Energiewende“ sowie „Verkehrswende und Wärmewende“ jeweils nur einer Gruppe gestellt (Energiewende: n = 3.145; Verkehrswende und Wärmewende: n = 3421). Der Inhalt des Fragebogens orientiert sich dabei an dem zugrunde liegenden Konzept sozialer Nachhaltigkeit und wird ergänzt durch soziodemographische, -ökonomische und psychologische Merkmale sowie Informationen zum Verkehrsverhalten.
Das Soziale Nachhaltigkeitsbarometer der Transformation ist eine Längsschnittstudie, die in einjährigem Abstand über einen Zeitraum von drei Jahren (2026-2028) erfolgt. Die Onlineerhebung wird dabei von forsa (forsa.omninet) durchgeführt. Bei forsa.omninet handelt es sich um ein für die deutsche Bevölkerung ab 14 Jahren repräsentatives Panel mit derzeit rund 150.000 Personen. Die Rekrutierung der Panelteilnehmerinnen und -teilnehmer erfolgt offline, das heißt per Telefon, über ein mehrstufiges Zufallsverfahren (ADM-Telefonstichproben-System). Dabei handelt es sich um ein Dual-Frame-Design, bei dem eine kombinierte Festnetz- und Mobilfunkstichprobe sicherstellt, dass sowohl Personen, die ausschließlich über Mobiltelefon erreichbar sind, als auch Personen mit einem Festnetzanschluss einbezogen werden.
Die Auswahl der Befragten der vorliegenden Studie wurde nach dem Zufallsprinzip aus dem gesamten forsa-omninet-Panel vorgenommen. Die Stichprobe umfasst ca. 6.500 Personen pro Erhebungswelle. Dabei werden zunächst Personen eingeladen, die bereits an mindestens einer der vergangenen Befragungswellen teilgenommen haben. Befragte, die keine Bereitschaft für eine erneute Teilnahme zeigen, werden von forsa möglichst strukturähnlich ersetzt. Dadurch, dass an der Befragung nicht alle Eingeladenen teilnehmen und bestimmte gesellschaftlicher Gruppen seltener oder häufiger teilnehmen, kann es zu Verzerrungen in der Stichprobe im Vergleich zur Grundgesamtheit kommen. Um die Grundgesamtheit so präzise wie möglich abzubilden, erfolgte eine Gewichtung der Daten an bekannten Strukturdaten der Bevölkerung (bspw. aus dem Mikrozensus).
Als Grundgesamtheit gelten alle in Privathaushalten lebenden deutschsprachigen Personen ab 18 Jahren in der Bundesrepublik Deutschland. In der oben abgebildeten Tabelle werden die soziodemografischen Merkmale in der gewichteten Stichprobe und in der Grundgesamtheit dargestellt.
Um das Erhebungsinstrument auf seine Tauglichkeit zu überprüfen, werden vor jeder Erhebungswelle ein Feldtest mit 100 Befragten sowie kognitive Interviews vor Beginn der Haupterhebung durchgeführt.
Aktuelle Fragebögen
Die Erhebung der Welle 2026 erfolgte im Zeitraum vom 23. März bis 13. April 2026. Die Nettostichprobe umfasst 6.566 Personen.
Fragebogen 2026
PDF DownloadFragebögen vorheriger Wellen (2021-2023)
Die Erhebung der Welle 2023 erfolgte im Zeitraum vom 17. Februar bis 9. März 2023. Die Nettostichprobe umfasst im Energiewendeteil 3.267 und im Verkehrswendeteil 3.276 Personen. Die Erhebung der Welle 2022 erfolgte im Zeitraum vom 23. März bis 13. April 2022. Die Nettostichprobe umfasst im Energiewendeteil 3.305 und im Verkehrswendeteil 3.310 Personen. Die Erhebung der Welle 2021 erfolgte im Zeitraum vom 18. März bis 12. April 2021. Die Nettostichprobe umfasst 6.822 Personen.